Die Geschichte der Ninja

"... Es ist belegt, das als erster Fürst Shotoku (593-622 n.Chr.) Kundschafter eingesetzt hatte. Er beschäftigte sie aber nicht ausschließlich für kriegerische Zwecke, sondern ebenso zur Festigung seiner eigenen politischen Macht.

Die "Yamabushi" oder "Shugenja" (kriegerische Bergpriester) waren maßgeblich an der Entwicklung des Ninjutsu beteiligt. Sie schlossen sich dem trantrisch-tibetischen Buddhismus und dessen Sekten an, die von den damaligen Regenten nicht geduldet wurden, denn für die herrschende Schicht und somit für ganz Japan galt als Staatsreligion der Shintoismus, mit einer Ausschließlichkeit, die jede andere "neue" Religion und ihre Lehren von vornherein verbot.

So waren die Yamabushi gemeinsam mit tausenden von Flüchtlingen, die aus politischen oder Glaubensgründen von den Regierungstruppen verfolgt wurden, gezwungen zu fliehen. Sie zogen in die Gegend um das heutige Kyoto, bekannt auch als Iga- und Koga-Provinzen, in der sich schon zuvor die historischen Ninja-Familien niedergelassen hatten, welche die "Ji-Samurai" waren, also halb Bauern halb Soldaten.

Diese von Bergen umgebene Gegend bot den Flüchtlingen und den Ninja-Familien einen einmaligen Schutz. Dort entwickelten die Yamabushi ihre Heiko genannte Kriegskunst, deren Ursprünge aus China stammten, welche mit ihren esoterischen Glaubensgrundsätzen verflochten waren. Die Ninja-Familien ließen sich sowohl durch diese Lehren der Yamabushi als auch durch die geflohener chinesischer Generäle beeinflussen.

Durch die Zusammenführung chinesischer und japanischer Kriegs- bzw Kampfkunststrategien wurde ein komplexes Kampfkunstsystem entwickelt; diese Kunst der geist- und Körperschulung wandelte sich im Laufe der zeit zu dem, was sich später Ninjutsu nennen sollte.

Obwohl das Ninjutsu also zeitlich gesehen mit seiner Entwicklung früh begann, war eine lange Wandlung nötig, bis es dann Mitte der Heian-Periode (794-1185 nnChr.) seine klassische Form erhielt. In der Kamakura-Periode (1185-1333 n.Chr.) waren die Taten und Aktivitäten der Ninja am deutlichsten zu verzeichnen. Das Ninjutsu erreichte seinen Höhepunkt um 1500 n.Chr.

In dieser Zeit war das ganze Land zersplittert und durch verschiedenste Kriegsausbrüche geprägt, bis es am Ende zum Bürgerkrieg kam. Ninja wurden überall, wo es nur möglich war, eingesetzt, so dass mehr Ninja benötigt wurden, als tatsächlich vorhanden waren.

Um ihre Truppenstärke zu demonstrieren und um die Gegner zu verängstigen und zu verwirren, sahen sich die Feudalherren gezwungen, Truppen mit "falschen" Ninja zu bilden. Diese waren sehr oberflächlich in die Kampfkunst eingeweiht, und nur die Anführer waren "echte" Ninja. Unter diesen Vorrausetzungen waren etliche Missionen von vornherein zu Scheitern verurteilt, und sehr viele Ninjas verloren die Glaubwürdigkeit gegenüber ihren Herren.

Einige von ihnen versuchten, als Doppelagenten ihre Dienste anzubieten obwohl sie sich bewusst waren, dass es mit dem Tod bestraft enden könnte, und tatsächlich wurden viele von ihnen exekutiert, nachdem man sie entdeckte oder sie verraten wurden.

Gegen 1600 n.Chr. schließlich schritt das Ninjutsu seinem Ende zu.
Im Jahr 1603 n. Chr. Wurde Leyasu Tokugawa zum Shogun ernannt. Nach der Belagerung und Einnahme von Osaka wurde Tokugawa uneingeschränkter und allmächtiger Herrscher über Japan. Unter seiner Diktatur waren alle Feudalherren gezwungen, sich zu vereinen und unter seiner Kontrolle zu stellen. Um seine Herrschaft zu sichern, versuchte er selbstverständlich von vornherein, alles zu unterdrücken, was dieser schaden hätte zufügen können.

Das Ninjutsu und seine "unheimlichen" Ninja waren ihm ein besonderer Dorn im Auge, denn er war nicht in der Lage, sie genügend zu kontrollieren. So wurde offiziell der Befehl erlassen, dass die Ausübung des Ninjutsu ab sofort verboten sei und jede Widersetzung mit dem Tode bestraft werden würde.

Es kam dann so, wie es kommen musste. Die Ninja konnten und wollten nicht einsehen, dass ihre Kunst so enden sollte. Viele von ihnen widersetzten sich diesem Befehl und zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Das Verbot war die Ursache dafür, dass das Ninjutsu fortan "geheim" ausgeübt wurde. Damit trug der Shogun unwissentlich zur weiteren Verbreitung des Ninjutsu bei, da er nun das Ninjutsu erst recht nicht mehr kontrollieren konnte.

Diejenigen jedoch, die weiterhin offiziell als Ninja auftreten wollten, da sie ein Leben im Exil als würdelos empfanden, wurden als Ausbilder der Regierungstruppen eingesetzt.

Eine dritte Gruppe Ninja aber, die diese ganze Wandlung nicht hinnehmen wollten, wurden zu Räubern und versuchten, den Armen im Lande zu helfen. Der bekannteste "Robin Hood" Japans war Goemon Ishikawa.

Unter der Herrschaft des damaligen Tokugawa-Shoguns fand die letzte große Ninja-Mission etwa 35 Jahre nach dem Verbot des Ninjutsu statt. Im Jahre 1637, während der Belagerung der Halbinsel Shimabara (bekannt auch als Shimabara no Ran), wurden die Ninja eingesetzt, um die Einnahme dieser Halbinsel zu beschleunigen, auf der sich 37.000 rebellierende Christen verschanzt hielten. Der Regierungsbeamte Izumo Kami Nobutsuna sandte 10 Ninja in die Festung, damit sie sich unter die Christen mischten, sie also "infiltrierten", um so Informationen über die Rebellen zu erhalten. Diese Ninja aber waren nicht so gut ausgebildet und gingen so unvorbereitet an die Ausführung der Mission, dass sie von den Christen keine Informationen erlangen konnten, da sie mit dem Sprachdialekt der Gegend nicht vertraut waren. Durch diese Schwierigkeiten wurde ein Teil von ihnen entlarvt. Die Rebellen versuchten; die Ninja gefangen zu nehmen; sie konnten jedoch entkommen.

Nach dem Misslingen der Ninja-Mission belagerte des Shogun mit einer 120.000 Mann starken Armee über zwei Monate lang die Halbinsel, bis die eingeschlossenen Christen aus Mangel an Munition und Nahrungsmittelvorräten schließlich zur Aufgabe gezwungen waren.
Dies war gleichzeitig die Vernichtung des Christentums in Japan. Nur wenige christliche Gruppen haben in Dorfgegenden überlebt, dort kamen sie erst zu Beginn des 19. Jahrhundert wieder zum Vorschein.
Mit der Vernichtung der Christen in Japan endeten auch gleichzeitig die "offiziellen" Ninja-Aktivitäten."

(Auszug aus Kostas Kankis Buch "Ninjutsu" Dialis-Verlag) Weitere Infos..


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