Die Samurairüstung ist neben den Schwertern, das Paradestück des Samuraikultes.
Diese Rüstungen bestanden meistens aus Kettenhemden und Kopfmasken,
ähnlich den westlichen Kreuzrittern. Die Yoroirüstungen unterschieden
sich jedoch stark von diesen europäischen Rüstungen.
Unterschied waren die Gelenke und Vielfach-Platten,
welche übereinander genäht wurden. Auch gibt es große Unterschiede
zwischen den einzelnen japanischen Rüstungen.
Das Design
Rüstungen, welche in Kriegszeiten angefertigt wurden, waren vielfach
schmucklos, dafür sehr stabil. Bei Rüstungen aus Friedenszeit steht
der Prunk im Vordergrund. Das Wappen der Familienclans wurde jedoch
in beiden Fällen immer gut sichtbar getragen.
Die meisten Techniken die speziell für den Kampf in Rüstungen oder
gegen Rüstungen entwickelt wurden, hatten die Gelenke oder Schwachpunkte
als Ziel. So waren Kniehöhlen, Ellenbogeninnenseite, Augen, Hals und
Achselhöhlen die bevorzugten Ziele der Techniken oder Waffen.
Die
japanischen Geschichtswerke enthalten über die Rüstungen der
Uji-Periode fast keine Hinweise. Die Dolmenfunde beweisen jedoch,
dass es bereits damals schmiedeeiserne Rüstungen gab, die sich
jedoch in Form und Art von den späteren unterschieden.
Die japanischen Ritter (Samurai) legten eine komplizierte und flexible, aber sehr zweckmäßige Rüstung an, die kaum in der Beweglichkeit einschränkte. Diese schützte gegen Angriffe mit Schwert, Pfeil, Lanze, und sogar gegen Geschosse der mittelalterlichen Luntengewehre.
Ein japanischer Krieger diente seinem Herrn (Daimyo) bis zu seinem Tod oder dem seines Herrn. Der Tod auf dem Schlachtfeld war für den Samurai ehrenvoll. Allerdings konnte er seinem Herrn dann nicht mehr dienen und auch keine Siege mehr erringen.
Vergleiche dazu die Geschichte der 47 Rônin. In dieser Geschichte rächen 47 Rônin [Samurai ohne Herrn] den Tod ihres Herrn und begehen danach Seppuku.[ehrenvoller Selbstmord statt schmählicher Hinrichtung].
Das Anlegen
Das Anlgegen einer solchen Rüstung war umständlich und zeitraubend,
denn der Samurai musste zuvor noch verschiedene Unterkleider sowie
einen Kimono aus feinem Leinen oder Brokat und eine weite Hose
anlegen, die als Polster für die eigentliche Rüstung dienten.
Die Unterbekleidung bestand aus einem Lendentuch (Fundo-shi),
das latzartig auch die Brust bedeckte. Hierauf folgte ein mit
einem kurzärmligen Kimono, auch Shitagi (Waffenrock) genannt,
der mit einem besonderen Knoten des Obi (Gürtel) um die Taille
gegürtet wurde.
über
den Kimono wurde eine weite Hose (Kobakama) getragen, die den
Beinen des Kriegers die notwendige Bewegungsfreiheit liess.
Die Beinschienen
Die kräftigen Beinschienen (Suneate) waren aus Leder gefertigt
und mit eisernen Bändern verstärkt, um vor Hieben von vorn
zu schützen. Die abnehmbaren Oberschenkelpanzer (Kusazuri),
welche der Samurai zu Pferd trug, wurden rasch abgelegt, sobald
der Ritter schnell laufen musste.
Obwohl der Krieger unnachgiebig geschult wurde, beruhte seine
Kampfweise auf dem Prinzip der bewusst angewandten Nachgiebigkeit,
eine Technik, die dem von Jugend an geübten Taijutsu ähnelte.
Das gleiche Prinzip bestimmte die Konstruktion japanischer Rüstungen,
die ihren Träger nicht durch ihre stählerne Masse, sondern
durch ihre Elastizität schützten.
Anders als die Ritterrüstungen
Europas bestand die japanische Rüstung aus kleinen, lackierten Stahlstreifen,
die durch Kupferringe oder dicke Seidenkordeln miteinander verbunden
waren. Das Ergebnis war ein Metallgewebe, ebenso flexibel wie die europäischen
Kettenpanzer, jedoch wesentlich widerstandsfähiger.
Die
Farbe der Seidenkordeln war von grosser Bedeutung, denn die grossen
und mächtigen Sippen wählten für ihre Parteiträger eine bestimmte
Farbe (die Fujiwara: grün; die Tachibana: gelb; die Taira: rot; die
Minamoto und Tokugawa: weiss; die kaiserliche Farbe war violett).
Die japanische Rüstung hatte, von der Elastizität abgesehen, noch
den Vorteil, dass sie nur etwa fünfundzwanzig Pfund (12-13 Kilo)
wog und ihrem Träger jede Bewegungsfreiheit liess, die er benötigte,
um im Sturmschritt angreifen oder steile Burgwälle erklettern zu
können. Sobald die Rüstung nicht mehr gebraucht wurde, konnte sie
zusammengefaltet in einer handlichen Kiste verpackt werden. Bei Beschädigung
brauchte man nur neü Lamellen einzuflechten.
Die Armschienen
Die Armschienen (Kote) mit den Panzerhandschuhen bestanden aus einem
Kettengeflecht japanischer Machart und auf Tuch genähten Eisenstreifen,
Die metallbeschlagenen ärmel eines Kriegsherrn waren meist ziseliert
und vergoldet. Der Rumpfharnisch (Do) und das die Hüften schützende
Panzerhemd (Haidate) waren aus Eisenlamellen gefertigt. Die breiten
Schulterstücke (Sode) aus Lamellengeflecht hingen wie riesige Epauletten
über der Schulterpartie des Rumpfpanzers.
Der eiserne Halsschutz (Nodowa) mit dem metallen Latz verlieh dem Krieger
zusätzlichen Schutz und bewahrte ihn vor der Enthauptung. Da im Einzelkampf
die Krieger nach den Köpfen ihrer Gegner trachteten, veranlasste dieser
blutige Brauch die Krieger, ihren Hals und Kopf besonders sorgfältig
zu schützen, um sich nicht dem Risiko einer Köpfung auszusetzen. Als
nächstes setzte der Krieger eine aus langen Stoffstreifen gewundene
Baumwollkappe (Hachimaki) auf, die als Polster unter dem schweren Eisenhelm
fungierte. Anschliessend bedeckte er sein Gesicht mit dem Helmvisier
(Hoate), welche das Gesicht vom Kinn bis zu den Augen schützte und
meist mit deinem abnehmbaren Schutz für die Nase versehen war.
Vom 12. Jahrhundert an wurden nur noch Masken getragen, die Stirn und
Schläfen schützten. Diese Masken zeigten brutale und wilde Gesichtsausdrücke,
um den Gegner zu erschrecken, und waren aufgrund des lackierten Eisenblechs
so widerstandsfähig, dass sich daran sogar eine Lanzenspitze verbog.
Die grimmig aussehende Gesichtsmaske war nicht nur mit beweglichen Nasen-
und Mundstücken versehen, sondern auch die Augen waren durch vorstehende
Schutzstücke gesichert.
Später kam die Halbmaske auf, welche meist mit einem Schnurrbart verziert
war; denn im Gegensatz zu den bärtigen Koreanern trugen die Japaner
das Gesicht glatt rasiert und betrachteten diese als bärtige Wilde.
Somit hatte der falsche Schnurrbart am Mundvisier ebenfalls den Zweck,
der Halbmaske ein furchterregendes Aussehen zu geben. Ausser dem veralteten
Helmvisier (Hoate) waren also folgende Variationen im Gebrauch:
- Mempo, die das Gesicht bedeckende Maske;
- Saburo, die nur Kinn und Wangen schützende Halbmaske mit falschem
Schnurrbart;
- und Tsubamegata; der einfache Kinnschutz.
Der Helm
Den
Abschluss der japanischen Rüstung bildetet der Helm (Kabuto). Die
alten Helme bestanden aus einer mit Hirschleder gefütterten Eisenkappe
(Hachi). Daran war ein Ringkragen aus mehreren Reihen von eisernen,
panzerhemdartig verketteten Ringen oder aus Schuppen befestigt, der
weit über den Rücken und die Schultern herabfiel. Je nach Anzahl
der Schuppenreihen dieses Nackenschutzes (Shikoro) wurde der Helm
entweder Sanmai-kabuto (Dreifacher) oder Go-mai-kabuto (Fünffacher)
genannt.
Die Helmzier war an der Stirnseite befestigt und stellte, wie bei den
europäischen Ritterhelmen, das Wappenzeichen des Eigentümers dar,
also etwa Hörner, Vögel etc. Die Angehörigen des Kaiserhauses trugen
Ryu, den kaiserlichen Drachen, das Zeichen der kaiserlichen Gewalt.
Auf dem Scheitel der Eisenkappe, also hinter dem Helmschmuck, war ein
Loch, in das entweder ein bannerähnlicher Zirat oder ein kurzer Speer
bzw. ein Federbusch gesteckt wurde. Die meisten Helme waren von erstaundlicher
Grösse, nicht selten erreichten sie einen Meter Umfang.
kopiert von "M. Leupi, 04/93"